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Thema: Die groteske Weltanschauung

  1. #21
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    Zitat Zitat von JME Beitrag anzeigen
    Um das kochen an sich geht es ja auch nicht!
    HALT STOP! Aufgepasst, hast du jemals einen Gast das ESSEN sehen? Ich nicht
    ♥♥♥Toukiden 2♥♥♥
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    R.I.P. Patrick Macnee [25.06.2015]
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  2. #22
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    Jetzt bin ich echt platt. Da ich im frei empfangbaren Fernsehen bewusst nur Kurt Krömer und die heute-Show konsumiere, weiß ich leider nicht, wer Bülent Ceylan ist, aber wenn ich das richtig aus den Antworten ableite und er Teilnehmer der Comdian-Schwemme ist, dann verstehe ich nicht, wie man den Text auf ihn beziehen kann. Ist er der einzige Mann mit Pferdeschwanz? In der Kolumne geht es noch nicht mal darum, das Kochen in Frage zu stellen, die handelt einfach von der Überschätzung dieser inflationär aufpoppenden Leute, die nichts anderes als das Kochen beherrschen. Das zwar gut, aber trotzdem hypt das diese Tätigkeit für mich nicht in den Olymp und vor allem wird sie dadurch auch nicht spannender/fernsehtauglicher.

    Zum Vergleich hier mal eine Kolumne, in der ich einen Comedian zerreiße, den ich nicht mag, ich denke die Unterschiede werden deutlich :

    Bowsers letzter Triumph

    Mario Barth ist im Quotentief. Als ich diese Meldung heute morgen gelesen habe, war ich wirklich ein stückweit empört. Was denkt sich die undankbare Zielgruppe bloß dabei, einfach nicht mehr diese Sendung zu gucken, nur weil die überhaupt nicht lustig ist? Da steht ja wohl noch immer der Name „Mario Barth“ drauf, und dieser Mann hat doch irgendwann mal den einen oder anderen gelungen Witz zum Besten gegeben, als Beweis gibt es davon sogar Videoaufzeichnungen. O. k., jetzt habe ich etwas übertrieben, denn sicher hat er auch früher mit nur einem Witz in verschiedenen Auslegungen ganze Programme bestritten, der Zusatz „anderen“ unterstellt aber unterschwellig eine nicht vorhandene Vielfalt der barth´schen Autorenkreativität und stapelt deshalb etwas zu hoch. Trotzdem ist das vom dreisten Publikum natürlich total unverschämt, nicht mehr alles ungefragt zu schlucken, was dieser Mann serviert, obwohl das jahrelang so super geklappt hat, und jetzt aus heiterem Himmel sogar wegen dem abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum der Gags pingelig die Gefolgschaft zu verweigern. Sicher ist da aber auch das Medium Fernsehen dran schuld. Stadien kriegt man mit großzügig über der Stadt abgeworfenen Freikarten auch noch voll, wenn der Stern nicht nur abgestürzt, sondern sogar schon aufgeschlagen ist und gen Erdkern rast, aber die Messungen der Einschaltquote sind da grausam unbestechlich. Was für ein gemeines Prinzip!


    Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich hämisch, ich will das aber auch gar nicht verbergen. Ich nehme das fast persönlich, wenn so eindimensionale Reiter der untoten Scherze wie Barth breitflächig von den Medien über das Land gekippt werden, während wirklich geniale Stand-Up-Comedians wie Kurt Krömer oder Olaf Schubert entweder gar nicht gesendet werden, nur zweiminütige Nebenrollen in fremden Formaten bekommen oder irgendwann zur Geisterstunde verramscht werden. Natürlich ist das immer eine Sache des Geschmacks, das ist es aber auch für die Leute, die schon länger nicht mehr über Super Mario lachen können und trotzdem mit seinen ewig gleichen Ergüssen medial zugeschmissen werden. Selbstverständlich weiß ich, wo an meiner Fernbedienung der Umschaltknopf ist, deshalb werde ich bestimmt nicht dazu gezwungen, mir Beziehungsanekdoten nach identischen Muster in Dauerschleife anzuhören, aber trotzdem bleibt es mir auch unbenommen, so einen Sinkflug in der von mir gewählten Form zu kommentieren.


    Zumal dieser Absturz jetzt nicht unbedingt überraschend kommt. Ich kann gar nicht adäquat die Größe meiner Erleichterung darüber ausdrücken, dass das RTL-Format von Dieter Nuhr gefloppt ist. Denn dieser Mann stand auch kurz vor seiner Verheizung, das wiederum wirft aber auch ein bezeichnendes Bild auf den zukünftigen Weg von Herrn Barth. Denn wenn jemand wie Nuhr, der über eine unglaublich weite Themenpalette verfügt und dazu noch mühelos verschiedene Humorebenen bedienen kann, an einer medialen Überpräsentation scheitert, dann können humoristische Eintagsfliegen wie Mr. Beziehungskalauer noch so laut brummen, irgendwann merkt das Publikum das ständige Vorsetzen der alten Suppe und zückt die Klatsche. Da kann er noch so begeistert über seine eigenen Witze lachen und auf diese Weise weite Teile des Programms mit eigenen Kicherflash-Atempausen füllen, irgendwann durchschaut zumindest der Großteil der Zielgruppe die kreative Hilf- und Ideenlosigkeit dahinter und geht zum Amüsieren wieder in den Keller, weil das sowieso gewohnte Anstarren dieser Örtlichkeit einfach viel lustiger ist.

    Die richtig pfiffigen Exemplare unter den Fans fragen sich vielleicht sogar, wie glaubhaft es ist, dass der Kerl auch in der 200. Vorstellung an exakt den gleichen Stellen exakt den gleichen Lachanfall bekommt, der obendrauf auch noch exakt die gleiche Länge hat. Ist das erstmal ins Bewusstsein gedrungen, spielen die Sympathiewerte schnell das Drama der Titanic nach, denn sicher ist es einen Schmunzler wert, wenn ein Comedian auf der Bühne aufgrund einer unerwarteten Situation lachtechnisch aus dem Konzept gerät, wenn das aber als bewusst eingesetztes Stilmittel geoutet wird, das auch noch im XXXXXL-Format in das Programm geschrieben wurde, erscheint Kate Moss dagegen von der Flachheit her ziemlich kurvenreich. Was übrigens keine frauenfeindliche, sondern eine katemossfeindliche Aussage ist, dieses Wesen gehört aber zu den magersüchtigen Pelzschlampen, mit der menschlichen Spezies hat sie also nichts zu tun. Genauso wenig wie der letzte Satz mit dem Thema, also wo waren wir?


    Ach ja, bei der Trennung zwischen Herrn Barth und der Sympathie. Da gibt es sowieso noch eine interessante Anekdote zu. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, da hat der Kumpel-Prototyp einen T-Shirt-Hersteller verklagt, weil der den Spruch „Nichts reimt sich auf Uschi“ vermarkten wollte, den auch der Mario auf seinen Klamotten aufgedruckt hat. Lustigerweise wurde als Grund eine Copyright-Verletzung angegeben. Richtig, das allein ist noch nicht so der Brüller, das Gröhl-Potential wird erst durch den Hinweis darauf deutlich, dass Barth diesen Spruch selber geklaut hat. Es handelt sich dabei nämlich um eine Kreation des Frühstyx-Radios, ein Format, das schon über den Sender gegangen ist, als gewisse „Berliner Schnauzen“ noch vor einem Schulhofpublikum erzählt haben, was für eine Lachgranate der Ausflug mit der Streberin aus der Parallelklasse doch war, da bei diesem Event jahrhundertealte Frauenklischees angeblich bestätigt wurden.

    Damals vor über 20 Jahren wurde dieser Spruch von seinen Erfindern nicht rechtlich geschützt, wer kann aber auch damit rechnen, dass im 21. Jahrhundert ein Comedian die Szene betritt, dessen eigene Kreativität nur für die Feststellung reicht, dass das Wort „Brüllkäfer“ irgendwie nicht so der Burner ist, deshalb im Internet nach ungeschützten Sprüchen der Kollegen googelt und auf diese dann Copyright-Ansprüche im entsprechenden Register eintragen lässt? Geldgeiler und humorloser geht es wohl nicht, diese Vorgehensweise wird noch nicht mal dadurch lustig, indem man sich beim Erzählen im Vorfeld eine halbe Stunde selbst künstlich darüber amüsiert, bis man diese verlauste Katzenpointe endlich aus dem maroden Sack lässt. Deshalb wird es dieser Vorgang wohl auch nicht in das neue barth´sche Bühnenprogramm schaffen. Wenn der Comedy-Klemptner tatsächlich weiter die Masche vermarkten will, dass er trotz des Erfolgs total auf dem Boden geblieben ist, dann sollte er für diese Erkenntnis solche Arschloch-Touren dringend unter den Teppich kehren und zusätzlich den Raum mit diesem Staubfänger abschließen, sonst ist der „Einer von uns“-Ruf bald tiefergelegt als sein eigenes sowieso schon sehr niedriges Scherzniveau.


    Mich lässt dieses ganze Theater ziemlich unentschlossen zurück, denn ich weiß wirklich nicht, mit welcher möglichen Zukunftsversion ich lieber konform gehe. Da wäre zum einen die Aussicht, dass Barth seine Abnutzungserscheinungen selber wahrnimmt, daraufhin sofort alle Aktivitäten einstellt und in eine ziemlich lange kreative Pause geht. Klingt im ersten Moment nicht schlecht, stellt aber ganz klar die Drohung über eine mögliche Rückkehr in den Raum. Allerdings kann das vollständige Ausglühen dieses Mannes sich noch ziemlich lange ziehen. Sicher ist es beruhigend, dass er in dem Fall dann wahrscheinlich für immer weg wäre, aber möchte ich mir dieses Trauerspiel trotz dieser Hoffnung noch über mehrere Monate oder sogar Jahre angucken? Wie gesagt eine sehr schwierige Entscheidung, ich drück mal keiner Variante die Daumen und lass mich überraschen.

    Zumal dieser ganze Blog ja sowieso vom puren Neid getragen wird, denn eigentlich kann man Barth nur einen Vorwurf wegen seinem Mafia-Gedächtnis-Marketing machen, das Ausleben seiner dumpfen Masche ist eigentlich durchaus eine respektvolle Verbeugung wert. Denn sicherlich war es nie einfacher, Erfolg damit zu ernten, indem man sich zu einem Spiegelbild einer breiten Schicht der Öffentlichkeit macht. Da reicht es heutzutage halt schon, sich übertrieben selbstverliebt zu präsentieren und einen ewigen Scherz in verschiedenen Modulationen zu formulieren. Da draußen gibt es eine nicht zu unterschätzende Konsumbereitschaft, die nicht nach der Originalität eines Gags fragt, sondern nach seiner Funktionalität. Ist die einmal gegeben, dann grüßt bei vielen das Murmeltier und man kann ihnen diese Soße immer und immer wieder als neu verkaufen, ohne dass sie zeitnah etwas merken. Es ist halt lustig, das war es auch schon immer, also wird es auch immer lustig sein. Und wer kann es tatsächlich verübeln, dass jemand aus dieser Scheiße sein persönliches Gold macht? Mir ist das Ganze eigentlich sowieso egal, Hauptsache die 5. Staffel der internationalen Kurt-Krömer-Show erscheint bald auf DVD, nach diesem Kauf kann ich meine Fernbedienung dann sowieso erstmal wieder einmotten. Und meine persönliche Mario-Spaßbremse ist dann höchstens noch eine dunkle Legende, mit der man kleinen Kindern droht, wenn die im Übermut zu albern werden. "Hört auf zu quengeln, sonst erzählt euch der Mario seinen Witz!" "Schon wieder??? Neiiiiiiin!!!!!" Und es herrscht Ruhe im Karton.
    Was ist lustiger als erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals? Weinende erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals.

    https://www.youtube.com/watch?v=9iqYyn9SmKA

    https://www.youtube.com/watch?v=DClAsYT4sAY

  3. #23
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    O. k., Zeit für etwas Unangenehmes. Hier der Blog, der mir die meisten Abos versemmelt hat :

    Killing in the Name of

    Meine Arbeitskollegin findet es nicht in Ordnung, wie mit Tieren umgegangen wird. Sie sieht bei mancher Tierquälerei sogar mehr als rot. Meinen veganen Entschluss kann sie auch ab-so-lut nachvollziehen, damit nicht genug findet sie den sogar toll. Es wird auch keine Gelegenheit ausgelassen, um mir zu versichern, dass ich da auf dem richtigen Weg bin. Überhaupt kann ich stolz auf mich sein, sie ist sich auch nicht zu schade, so etwas sogar vor anderen Leuten ganz klar anzusprechen, egal, was die davon halten. Da gibt es ihrer Meinung nach nämlich nichts, wofür ich mich schämen müsste, ganz im Gegenteil. Für sie ist es einfach eine Schande, wie achtlos manche Menschen mit dem Thema Tierausbeutung umgehen. Sie ist da nämlich VÖLLIG anders. Zwar verzichtet sie nicht auf Fleisch, allerdings isst sie nur noch sehr wenig und bei ihren monatlichen Mengen im Milligramm-Bereich informiert sie sich grundsätzlich über die Haltung der Schlachttiere, das ist sie den Opfern einfach auch schuldig.


    An ihrem Geburtstag hat sie der Abteilung ein Mittagessen ausgegeben. SELBSTVERSTÄNDLICH habe ich Tofu bekommen, sie fand es natürlich auch super, dass sie das für mich bestellen durfte. Als Tierfreundin bewundert sie ja wie gesagt meine übermenschliche Konsequenz bei diesem Thema. Sie selber hat dann aber doch für sich und die Restabteilung auf Entenbrüste zurückgegriffen. Ausnahmsweise hat sie den Chinamann bei der Bestellung auch nicht gefragt, in welchem Konzentrationslager die Opfer ihrer Wahl beheimatet waren und mit welchem Niedlichkeitsgrad neutrale Beobachter die Massenhinrichtungen beurteilt hätten. Woher soll der Mann in der Bestellannahme so was auch wissen? Da muss man notgedrungen mal einen Schlenker auf seinem ansonsten so gerade verlaufenden Tierschutzpfad in Kauf nehmen, so sehr einen das auch persönlich ärgern mag.


    Sie geht auch öfters mittags in einen benachbarten Grill, dort wird von ihr natürlich auch nicht nachgehakt, wie genau die Schweine für ihr Schnitzel umgebracht wurden und wie zufrieden diese Wesen im Nachhinein mit ihrer Ermordung waren. Aber warum sollte sie sich da auch vor dem Besitzer auf der anderen Seite der Theke blamieren? Da würde man im Zweifelsfall sowieso nur einen Stirnrunzler ernten. Denn man kann ja nicht von so einem einfachen Mann verlangen, dass er sich genauso konsequente und unbequeme Gedanken um Tierschutzrichtlinien macht, wie sie das tagtäglich und inzwischen auch schon in einem Automatismus praktiziert. Auch in diesem Fall muss sie zähneknirschend Zugeständnisse machen, allerdings kennt ihr Bedauern ob dieser Einsicht praktisch keine Grenzen.


    Wenn sie auswärts von Bekannten, Familienangehörigen oder Freunden eingeladen wird, kann sie natürlich auch nicht verlangen, dass sich diese Leute darum scheren, auf welche beneidenswerte Art und Weise die Tagesopfer massakriert wurden und wo diese selbst die Stärke ihres Glücksgefühls beim Sterben auf einer Skala von 1 bis 10 eingeordnet hätten. Schnell gilt man als Fanatiker, wenn man als Gast solche für sich zwar selbstverständlichen, für die Allgemeinheit aber in der Gegenwart noch unverständlichen Hintergründe kritisch zu beleuchten versucht. Damit ist dann ja auch niemandem geholfen, also beißt sie in den für sie persönlich mehr als sauren Apfel und unterlässt ihre ansonsten absolut reflexartige Recherche zum Thema.


    Wenn sie in Supermärkten Fertiggerichte oder Waren mit Zusatz von tierischen Produkten kauft, kann sie sich natürlich auch nicht um die Herkunft kümmern. Aber das ist dann ja auch wirklich zuviel verlangt, wen soll sie da denn im Geschäft ansprechen? An diesem Punkt ist ja auch ganz eindeutig die Grenze zur Übertreibung erreicht, denn bei Zusätzen weiß wahrscheinlich selbst der Hersteller nicht mehr, welche Leiche er wo untergemischt hat und wie begeistert sich das betroffene Tier von dieser Welt verabschiedet hat. Das muss sie auch gar nicht thematisieren, in diesem Bereich ist es praktisch selbstredend, dass man Tierquälerei wegen Übersichtsproblemen Tür und Tor öffnen muss, so doof man diese Alternativenlosigkeit selbst auch findet.


    Um das Thema abzukürzen, habe ich dann einfach mal direkt nachgebohrt, was sich hinter ihrer Beschreibung „ständige und nahezu lückenlose Informationseinholung über Haltungsbedingungen“ genau verbirgt und in welchen sporadischen Ausnahmefällen diese Vorgehensweise tatsächlich mal tollkühn von ihr angewendet wird. Diese Frage hat meinen Mundraum noch nicht mal ganz verlassen, da kam schon die Erwiderung „die Fleischtheke“. An dieser Örtlichkeit entwickelt sich die Dame nämlich zu einem menschlichen Pitbull, der sich mit Leib und Seele in den Kampf um Tierschutz verbissen hat, dementsprechend Quäler in die Enge treibt, Missstände schonungslos aufdeckt und diese dann auch mehr als streng verurteilt. Eine Metzgereifachangestellte wird da solange von ihr mit kritischen Fragen bombadiert, bis diese verzweifelt das Codewort „Bio-Haltung“ in den Verkaufsraum japst.


    Danach ist dann natürlich alles in Ordnung, denn diese Haltungsform ist grundsätzlich ein Synonym für den Himmel auf Erden. Da muss man dann auch nicht mehr ins Detail gehen, das wäre wirklich mehr als pingelig. Bio – wo Kühe sich glückstrunken selbst vergewaltigen und nach ihrer Schwangerschaft dem Bauernfreund ohne Duldung von Widerspruch ihre Muttermilch inklusive Nachwuchs aufdrängen wollen. Bio – wo sich Schweine freiwillig in das Schlachtmesser stürzen, weil sie ihren eigenen Tod kaum mehr erwarten können, da dieser so eine großartige Gelegenheit darstellt, um sich mal für die genialen Zustände in ihrem persönlichen Zuchthaus zu bedanken. Bio – wo Hühner darauf bestehen, ihre potentiellen Kinder in Eigenregie entweder weich oder hart zu kochen und nicht eher mit dem täglichen Nachschub aufhören, bis dieser sich im Vergleich zur natürlichen Legerate mindestens vervierfacht hat. Bio ist so ein Gottesgeschenk für alle Ausgebeuteten, wer das einmal ausprobiert hat, möchte definitiv nie wieder normal gefoltert werden.


    Ich persönlich freue mich auf den Tag, an dem die Biohaltung endlich ihren Triumphzug auch durch andere Missstände und Verbrechensformen antritt und diese dann ebenfalls gesellschaftskompatibel macht. Das muss für Betroffene wie Weihnachten und Ostern zusammen sein. Endlich gute und vertretbare Kinderarbeit, da die Kerlchen anders gefüttert werden, mehr Platz am Fließband haben und sogar hin und wieder auf einen Hof mit gelegentlichem Sonnenlicht getrieben werden. Keine Gewissensbisse mehr bei Vergewaltigungen, da die Opfer vorher ein wunschlos glückliches Leben geführt haben und nur noch nach strengen Bio-Richtlinien penetriert werden dürfen. Überhaupt würde somit das Ende aller Gewaltverbrechen eingeläutet werden, da Täter ihre Beute sehr viel schmerzloser und besser quälen und töten müssen. Auf das Gesicht von so manchem Halunken freue ich mich schon, wenn man ihm mitteilt, dass er sein Opfer ab jetzt nur noch auf eine schöne Art und Weise ermorden darf, damit es sich bei diesem Vorgang nicht mehr so quält und diesen dann auch selber endlich genießen kann.


    Natürlich muss das dann auch konsequent kontrolliert werden, schwarze Schafe, die ohne jegliche Rücksicht einfach normal weiterquälen, wird es wohl immer geben. Das müsste man mit einem mehr als strengen Blick im Auge behalten, denn eine Bio-Mordmaschinerie kann nur funktionieren und ein Freudenquell für alle Beteiligten sein, wenn sich jeder daran hält. Man darf einfach niemals vergessen, dass viele Leute in Sachen konsequenter Tierschutz noch längst nicht so weit sind wie mein kollegiales Vorbild. Wer könnte ihnen da einen Vorwurf machen, vollbringt die Jeanne D´Arc der Tierrechte doch fast Unmenschliches an diversen deutschen Fleischtheken und sicherlich auch an so mancher ausländischen Variante. Die Tiere haben nun mal keine Stimme, mit der sie bessere Umstände bei ihrer Hinrichtung fordern können, um endlich auch aus der eigenen Sicht heraus erstrebenswert umgebracht zu werden. Die Artikulation müssen dann eben so kompromisslose Bio-Streiter übernehmen, ansonsten wird eine Welt mit moralisch absolut vertretbaren Morden immer nur eine schöne Utopie bleiben.
    Was ist lustiger als erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals? Weinende erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals.

    https://www.youtube.com/watch?v=9iqYyn9SmKA

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  4. #24
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    Too long, didn't...nein, diesesmal habe ich wirklich gelesen.

    Unterhaltsam war es allemal, die Story mit der (imaginären?) Kollegin hat mir sehr gut gefallen. Zur vegetarischen/veganen Lebensweise könnte man natürlich eine Menge schreiben. Ich persönlich esse sehr gerne Fleisch und könnte mich vermutlich nie dazu bewegen, darauf zu verzichten. Deswegen halte ich Veganer und Vegetarier auch für bewundernswert, denn ihre Denkweise hat definitiv nichts falsches an sich.

    Es ist sehr schade, wie im Zuge der Massenproduktion mit tierischem Leben mittlerweile umgegangen wird und wie wenig man darüber in der Öffentlichkeit erfahren kann, was ja auch in deinem Text angeschnitten wurde. Was mich allerdings stört und das ist nicht nur bei Veganern der Fall sondern auch bei Atheisten o.ä., sind die Leute, die sich eben weil sie kein Fleisch essen oder nicht an Gott glauben für intelligenter halten und bei jeder Gelegenheit versuchen, die Andersdenkenden von ihrer Meinung zu überzeugen. Das hast du hier zum Glück sehr gut vermieden, denn im Endeffekt sollte es jedem selbst überlassen sein was er isst oder woran er glaubt.

    Nebenbei bemerkt: Nicht nur Schlachtung tötet Tiere, auch beim Anbau von Pflanzen werden beispielsweise Dünger aus Tierhaltung benutzt, Chemikalien versprüht, die Mäuse, Schnecken, Käfer u.ä. töten und auch durch den Transport der Nahrungsmittel wird die Umwelt verschmutzt. Selbst ein Veganer "unterstützt" also in gewisser Weise unbewusst das Sterben von Tieren, wenn auch auf andere Art und Weise. Letzten Endes sollte man es einfach jedem selbst überlassen, ob er nun Fleisch isst oder nicht. Toleranz ist da und auch allgemein in ganz wichtiges Stichwort, welches ein bisschen mehr Beachtung in der Welt verdient hätte.

  5. #25
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    Ich würde nie jemandem vorschreiben, was er essen soll und was nicht. Interessanterweise war ich sogar einer von den ganz wenigen Leuten, die sich damals an den Handlungen des Kannibalen von Rothenburg nicht gestoßen haben. Der Mann wollte Fleisch, sein Opfer hat sich freiwillig zur Schlachtung gemeldet, ich habe bis heute nicht verstanden, was daran so verachtenswert war. Wer bin ich, um anderen Leuten ihre Geschmacksrichtung vorzuwerfen?

    Ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, wenn Fleischesser sich ihre Nahrung über natürlich gestorbene Tiere organisieren würden. Da bin ich sogar so tolerant, dass wir uns gerne nochmal über den Sinn von Friedhöfen unterhalten können. Die meisten Leser werden an dieser Stelle jetzt bereits auf den Barrikaden stehen, deshalb erinnere ich vorsichtshalber daran, dass ich dem Fleisch abgeschworen habe und diese Überlegungen nur aufführe, um zu zeigen, dass ich bei diesem Thema trotzdem extrem tolerant bin und niemandem seinen Genuß madig machen möchte.

    Die einzige Meinung in diesem Themenkomplex, die ich doch gerne verbreiten würde, ist meine absolute Ablehnung von Mord für diesen Fleischkonsum. Das sollte man dringend im Hinterkopf behalten. Niemand verurteilt das Essen von Fleisch, selbst wenn man es wie ich (inzwischen) als etwas gewöhnungsbedürftig ansieht und sich sogar davor ekelt. Was aber in meinen Augen absolut verurteilungswürdig ist, ist die Hinrichtung von anderen für dieses Geschmacksbedürfnis. Und im Gegensatz zum Opfer des Kannibalen kann natürlich kein Tier dieser Welt sein Einverständnis geben, wenn es um seine Ermordung geht, das ist der Umstand, der die Sache für mich eben nicht zu einer freien Entscheidung macht. Aber keine Angst, meine Barrikadenkämpfe dazu führe ich auf Facebook, das hier ist mein Wrestling-Board, auf dem ich das Thema sicher nicht breitflächig streuen und verteidigen werde. Ich würde mich über den einen oder anderen Denkanstoß freuen, den Daniel Bryan gebe ich wie gesagt woanders.

    Zum Thema "Tiermord für den Veganismus" könnte ich jetzt auch eine ganze Horde von Blogs hier loslassen, das will ich aber nicht, damit es nicht eintönig wird. Aber sicher wird sich dieses Thema auch hin und wieder hierhin verirren.
    Was ist lustiger als erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals? Weinende erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals.

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  6. #26
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    Zitat Zitat von Rygel Beitrag anzeigen
    Ich würde nie jemandem vorschreiben, was er essen soll und was nicht. Interessanterweise war ich sogar einer von den ganz wenigen Leuten, die sich damals an den Handlungen des Kannibalen von Rothenburg nicht gestoßen haben. Der Mann wollte Fleisch, sein Opfer hat sich freiwillig zur Schlachtung gemeldet, ich habe bis heute nicht verstanden, was daran so verachtenswert war. Wer bin ich, um anderen Leuten ihre Geschmacksrichtung vorzuwerfen?

    Ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, wenn Fleischesser sich ihre Nahrung über natürlich gestorbene Tiere organisieren würden. Da bin ich sogar so tolerant, dass wir uns gerne nochmal über den Sinn von Friedhöfen unterhalten können. Die meisten Leser werden an dieser Stelle jetzt bereits auf den Barrikaden stehen, deshalb erinnere ich vorsichtshalber daran, dass ich dem Fleisch abgeschworen habe und diese Überlegungen nur aufführe, um zu zeigen, dass ich bei diesem Thema trotzdem extrem tolerant bin und niemandem seinen Genuß madig machen möchte.

    Die einzige Meinung in diesem Themenkomplex, die ich doch gerne verbreiten würde, ist meine absolute Ablehnung von Mord für diesen Fleischkonsum. Das sollte man dringend im Hinterkopf behalten. Niemand verurteilt das Essen von Fleisch, selbst wenn man es wie ich (inzwischen) als etwas gewöhnungsbedürftig ansieht und sich sogar davor ekelt. Was aber in meinen Augen absolut verurteilungswürdig ist, ist die Hinrichtung von anderen für dieses Geschmacksbedürfnis. Und im Gegensatz zum Opfer des Kannibalen kann natürlich kein Tier dieser Welt sein Einverständnis geben, wenn es um seine Ermordung geht, das ist der Umstand, der die Sache für mich eben nicht zu einer freien Entscheidung macht. Aber keine Angst, meine Barrikadenkämpfe dazu führe ich auf Facebook, das hier ist mein Wrestling-Board, auf dem ich das Thema sicher nicht breitflächig streuen und verteidigen werde. Ich würde mich über den einen oder anderen Denkanstoß freuen, den Daniel Bryan gebe ich wie gesagt woanders.

    Zum Thema "Tiermord für den Veganismus" könnte ich jetzt auch eine ganze Horde von Blogs hier loslassen, das will ich aber nicht, damit es nicht eintönig wird. Aber sicher wird sich dieses Thema auch hin und wieder hierhin verirren.
    Was ich mich schon immer gefragt habe, warum gibt es Veganer/Vegetarier/Fruchtarier, die es einem Menschen der anders denkt nicht einfach gönnen. Natürlich gibt es in der Fleischindustrie wirklich ABARTIGe Methoden der Schlachtung am Fließband. Als ich noch Zeit für die guten alten Dienstagabend ARTE Dokus hatte, was hab ich schlimmes Zeug gesehen. Ein Grund mehr den Fleischkonsum zu senken.
    Egal, dass was ich eigentlich sagen wollte ist, dass ich deine Einstellung sehr schick finde ^^ In einer dieser besagten Dokus hat der Reporter eine Veganerin interviewt, die kein Honig isst, weil es die Versklavung von Bienen ist. Solche Menschen liebe ich ja. Als nächstes werden Hühner versklavt, weil sie Eier legen.

    Also gute Einstellung -Jo-tastisch- würde ich sogar sagen ^^
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  7. #27
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    So, wir entspannen uns wieder mit einem heiteren Blog. Der übrigens absolute Satire und keine Beleidigung ist, das wurde vom Zeitungsanwalt meines Vertrauens bereits bei der damaligen Artikelveröffentlichung geprüft.

    Die seltsame Ballade vom männlichen Genital

    Das Schicksal schlägt manchmal die seltsamsten Kapriolen, nie hätte ich im Vorfeld geahnt, was eine normale Zapping-Pause auslösen kann. Dabei habe ich diese gestern nur eingelegt, da mein treuer Rekorder eine neue DVD formatieren musste und ich deshalb in meiner Wrestling-Aufnahmeorgie unterhaltungstechnisch die dafür benötigten Minuten überbrücken wollte. So landete ich also wirklich durch puren Zufall in der ARD oder im ZDF, jedenfalls in einer der geklonten heiteren Rateshows, deren Meterwareinkarnationen immer dann im deutschen Fernsehen laufen, wenn gerade nicht der kommende 15-Minuten-Musiksuperstar gesucht und abgeerntet wird. Diese an sich schon sehr mysteriöse Verkettung der unglaublichsten Zahnräder wurde fast ins Unheimliche katapultiert, da mich auch noch die Auflösung der Frage interessiert hat, die just zu diesem Zeitpunkt den Demnächst-Dschungelbewohnern, sofern es sich bei den zwei Nasen überhaupt um „Prominente“ gehandelt hat, gestellt wurde.


    So klärte man mich darüber auf, dass der Begriff „Karacho“ aus dem Spanischen kommt und dort von „Penis“ abgeleitet wird. Das mag jetzt nicht für jeden Leser eine spektakuläre Enthüllung sein, da ich davon ausgehe, dass meine Zielgruppe aus dem Alter heraus ist, in dem allein die Erwähnung von Geschlechtsorganen zu verschämten Kicheranfällen führte. Allerdings sieht die Sache bei mir etwas anders aus, denn mein Lebenslauf sorgte diesbezüglich für eine etwas unglückliche Mischung, die sich aus einem Hang zum Kopfkino und einer musikalisch recht harten Kindheit zusammensetzte. Aus diesem Grund ist mir das Liederrepertoire eines gewissen blonden Volksmusikanten mit Sonnenbrille zumindest vom Namen her geläufig und ich stellte auch sofort übersetzungstechnische Verbindungen zu einem seiner ganz großen Hits her. Mittlerweile habe ich mir auch den Text ergoogelt und es steht somit fest: Heino war unglaublicherweise der erste Gangster-Rapper, hinter dessen so drastischen wie schmutzigen Hirnauswüchsen sich die obszönen Textungeheuer von Sido und Bushido mal sowas von verstecken können.


    Ich trete da auch gerne den Beweis an, beschäftigen wir uns als erstes mit dem Refrain seines Ekelhits "Karamba". Gleich die erste Zeile „Karamba, Karacho, ein Whiskey" kann ich aufgrund meines gestrigen Ausflugs in das öffentlich-rechtliche Programm inzwischen mit „Donnerwetter, ein Penis und ein Whiskey" übersetzen. Das mag in jedem Homosexuellenpuff oder auf dem Straßenstrich für Nutteriche eine völlig normale Bestellung sein, allerdings hätte ich Mr. Sonnenbrille immer nur einen unangenehmen politischen Rechtsdrall unterstellt, niemals das Zurückgreifen auf beliebte Sprüche aus dem Reich der käuflichen Achtern-Liebe. Das geht ja fast schon als begrüßenswerte Toleranzforderung für gesellschaftliche Randgruppen durch, wirklich ganz erstaunlich für diesen Mann und seine vielleicht vorschnell unterstellte Politgesinnung.


    Damit nicht genug setzt er gleich in der zweiten Zeile mit „Karamba, Karacho, ein Gin“ nach. So macht er anscheinend deutlich, dass ihm das alkoholische Getränk ziemlich Latte ist (wir verweilen kurz, um mein geniales Wortspiel gebührend zu würdigen) und es ihm nur auf das männliche Geschlechtsteil ankommt, das auch bitte recht zügig angeliefert werden sollte. Womöglich würde er sich auch mit einem Glas Wasser und einem Beutelchen Ahoi-Brause zufrieden geben, solange nur endlich der Schwanz in seiner roten Plüschecke eintrudelt.


    Dann nimmt der Verlauf des Abends aber anscheinend eine dramatische Wendung, die durch Zeile Nummer 3 „Verflucht, Sacramento-Dolores“ artikuliert wird. Die Formulierung unterscheidet sich von der Deutlichkeit sehr von den zwei Vorgängern und kommt sogar recht schwammig daher. So weiß der Hörer nicht, wer sich hinter dem Namen „Dolores“ verbirgt. Sicher scheint nur, dass die Person aus Sacramento stammt und sich deswegen bei Stammkunden wie Heino einen entsprechenden Spitznamen eingehandelt hat. Obwohl selbst das spekulativ ist, denn natürlich muss es sich nicht um eine Angestellte des Rotlichtbasars handeln, genauso gut könnte Dolores eine gehörnte Freundin des Schunkelstars sein, die ihn mit beschlagener Brille beim verbotenen Hobby überrascht hat. Allerdings gäbe es in diesem Fall dann Aufklärungsbedarf, warum er Dolores aus der Hauptstadt von Kalifornien und nicht Hannelore aus good old Germany besingt, mit der er laut Boulevardpresse eigentlich verbandelt ist. Das riecht natürlich nach noch mehr Komplikationen, fast möchte man ihm mitfühlend wünschen, dass es sich bei der beträllerten Amerikanerin um den Transvestiten handelt, der das heiß ersehnte Glied zur Verfügung stellen möchte.


    Die letzte Zeile im Refrain deutet allerdings in eine andere Richtung, denn hier macht Heino darauf aufmerksam, dass „alles wieder hin“ ist. Diese Formulierung würde natürlich eher dazu passen, dass er tatsächlich in flagranti erwischt wurde, und das ihm dieses peinliche Missgeschick aufgrund der Benutzung des Wortes „wieder“ wohl nicht zum ersten Mal passiert ist. An dieser Stelle sei ein kurzer Zwischenrat von mir erlaubt: Sollte diese Vermutung zutreffen, würde ich definitiv über einen Wechsel des konsultierten Freudenhauses nachdenken und die neue Adresse dann einfach nicht mehr großzügig im Bekanntenkreis verteilen. Allerdings könnte sich der angedeutete Unmut auch auf die Leistung der Angestellten Dolores beziehen. Ist das der Fall, dann verstehe ich den Hinweis auf die Wiederholung allerdings nicht, denn egal, ob der angebotene Penis zu klein erschien oder die längere Lieferzeit als störend empfunden wurde, wenn so was öfters vorgekommen ist, sollte doch einer örtlichen Umorientierung ebenfalls nichts im Weg stehen.


    Aber gut, es handelt sich hierbei natürlich nur um einen Liedtext, da sollte man sicherlich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Ich gehe deshalb auch nicht mehr auf einzelne Strophen ein, obwohl auch hier potentiell zwielichtige Begriffe wie "Hafenbar" und "braungebrannt" verwendet werden. Aber da soll sich der Leser im Bedarfsfall bitte eigene Gedanken machen, ich schließe diese Untersuchung noch immer ziemlich baff ab. Ich würde auch gerne diesen Kommentar lobend beenden, indem ich auf den krassen Text oder die fetten Bässe hinweise, allerdings bedient MC Heiporno leider eine Musiksparte, die mir eher fremd ist, egal ob Volksmusik- oder Hardcore-Rap-Schiene.
    Dieser Beitrag ist lediglich meiner Überraschung geschuldet, da ich recht blauäugig seinen musikalischen Spagat bis zu diesem Zeitpunkt nie bemerkt habe. Irgendwie interessiert mich gerade auch, was genau passiert, wenn die bunten Fahnen wehen oder in welchen Körperregionen eigentlich die unvergesslichen ro-ro-ro-roten Lippen liegen, die er besingt, wenn er Ex-Freundinnen beim Alpenglühen wieder trifft. Allerdings verschiebe ich diese Recherche auf später, mit einer Überdosis Volksmusik ist bestimmt genauso wenig zu spaßen wie mit dem Pendant aus dem Schmuddel-Rap-Bereich.
    Was ist lustiger als erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals? Weinende erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals.

    https://www.youtube.com/watch?v=9iqYyn9SmKA

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    Hier ein bisschen Balsam für die wunde Fußballerseele, ihr habt mein totales Mitgefühl...

    The Day after

    Ich weiß, ich weiß, in letzter Zeit habe ich es durch den EM-Hintergrund in diesem Blog etwas mit den Fußballbeiträgen übertrieben. Das tut mir auch ausdrücklich leid, dennoch will ich ein (hoffentlich) letztes Mal auf dieses Thema zurückkommen. Denn durch die gestrige Niederlage des deutschen Europameisters im Schwanzvergleich... Entschuldigung... der Herzen ist für den neutralen Beobachter doch ein kleiner Fragekatalog entstanden, auf den die Fans des runden Ex-Leders jedoch sehr verschnupft reagieren, wie ich heute im Liveversuch feststellen musste. Selbstverständlich möchte ich meinen treuen Lesern diese potentielle Disharmonie im sozialen Umfeld ersparen und gehe deshalb noch mal kurz den wesentlichen Erklärungsbedarf Punkt für Punkt durch, damit niemand den ballsportelnden Wald- und Wiesenfan unnötig während seiner Trauerarbeit stören muss. Tja, so bin ich, immer helfend, wo ich kann. Here we go:


    Nein, Deutschland kann nicht trotz gestrigen Ausscheidens am Sonntag noch Europameister werden. Sicher stand eigentlich spätestens nach Abschluss der Vorrunde fest, dass das restliche europäische Kanonenfutter jetzt nur noch pro forma in Grund und Boden gespielt werden muss, falls es unvernünftigerweise nicht sowieso schon direkt vor dem Spiel kapituliert, aber dennoch haben die Italiener mit ihrer frechen und unentschuldbaren Gegenwehr das an sich konkurrenzlose deutsche Göttergeschlecht aus dem Turnier gekegelt. Und diese Unverschämtheit ist leider juristisch gesehen absolut wasserdicht. Was dem zu Recht erbosten Fan jetzt nur bleibt, ist die absolut verständliche Fälschung seines persönlichen EM-Micky-Maus-Gimmick-Eintragebogens. Dann liegt es selbstverständlich an jedem selbst, wie überzeugend er den deutschen EM-Sieg 2012 seinen Enkelkindern verkauft und mit historischen Bastelbögen belegt. Sollten sich die Blagen in 30 Jahren ähnlich renitent verhalten wie das Kickerpack aus Südeuropa, kann man ihnen immerhin mit Stubenarrest und Fernsehverbot die individuelle Sicht auf die Fußballgeschichte einbläuen. Mittel, die aktuell leider in Bezug auf die dreisten Nudelerfinder nicht zur Verfügung stehen.


    Ja, Italien dürfte theoretisch am Sonntag Europameister werden, obwohl sie sich nicht an die deutlichen Absprachen gehalten haben, die teutonische Stammtische nun schon seit mehreren Tagen zwischen Lokalrunde 12 und Kotzabgang Richtung Heimat proklamiert und so eigentlich auch zumindest deutschlandweit etabliert haben. Leider wird Fußball noch immer auf dem Platz entschieden, da sich die FIFA in Bezug auf Regeländerungen lieber mit uninteressanten Torkameras beschäftigt, statt endlich ernsthaft über den deutschen Festplatz in den Endspielen dieser Welt zu beraten und diesen offiziell durchzuwinken. Deshalb konnte Italien im Rahmen seiner total beschränkten Möglichkeiten die deutsch-galaktische Ausnahmemannschaft schwindelig spielen, die fulminant-beherzte 1 1/2minütige Aufholjagd brachte leider auch nicht den sicherlich/eigentlich/sind wir doch mal ehrlich total verdienten Erfolg, somit stehen die Azurro-Künstler mehr als glücklich im Finale und haben unverschämterweise auch noch alles Recht der Welt, dieses zu gewinnen, obwohl sie den eigentlichen Europameister eiskalt, ohne Provokation und aus heiterem Himmel (FEIGE!!!) besiegt haben. Auch hier bleibt dem germanischen Anhänger nur ein Trostpflaster: Wenn Italien demnächst Gelder aus dem Euro-Rettungsfond anfordert, wird sich Uns-Merkel sicher an diese Kriegserklärung (Sagen wir es doch mal, wie es ist) erinnern und den Geldfluss entsprechend anpassen. Achtung: Dieser Lichtstreif am Horizont wird nur verwirklicht, wenn bis dahin der Euro nicht eh über den Jordan gesegelt ist.


    Nein, Deutschland ist jetzt nicht automatisch Europameister 2016, obwohl sie es natürlich einfach mal wieder verdient hätten. Die Sache mit dem Verdienst und der medial ständig aufgeworfenen Durststrecke ist sowieso ein etwas heikles Thema. Immerhin war Deutschland 1996 das letzte Mal Europameister und bestimmt hört sich die Zeitfensterbezeichnung „Seit 16 Jahren nicht mehr“ an wie eine Ewigkeit. Trotzdem könnte die eine oder andere pingelige Spaßbremse bemerken, dass eine EM nur alle 4 Jahre ausgespielt wird und somit die gefühlt und unbestritten beste Mannschaft dieses Universums eigentlich erst seit 4 Turnieren auf den nächsten Erfolg wartet. Wenn das als unerträgliche Durststrecke durchgeht, die nun endlich schon aufgrund der unglaublichen Länge verdient beendet werden müsste, was machen dann gerade Mannschaften wie England oder eben Italien durch, deren Einträge in dieses Geschichtsbuch fast noch in altdeutscher Schrift vorgenommen wurden bzw. sogar komplett verwaist sind? Aber wie erwähnt ist diese Überlegung eigentlich total pingelig, vor allem auch mit dem Hintergrund, dass die deutschen Ausnahmeathleten eigentlich dauernd alle Titel verdient hätten. Im Zweifelsfall rechnen wir halt das Ganze in Sekunden aus, wenn der Zeitrahmen sonst keine zufriedenstellend beeindruckende Zifferzahl erreichen sollte.


    Ja, der Bundestrainer hat selbstverständlich total versagt, natürlich war seine verrückte Auswechselorgie total daneben und garantiert hätten wir mit der Aufstellung aus dem Griechenland-Spiel die italienische Auswahl dreistellig überrannt. Wieso hört dieser Knilch auch nicht auf die Millionen Fußballweisen in diesem Land, die sofort bei der Bekanntgabe dieses Irrsinns zusammengezuckt sind und das Unglück schon zu diesem Zeitpunkt vorausgeahnt haben? Zumal diese Leute echte Experten im Zucken sind, denn immerhin haben sie das bei jeder der eigentlich ständigen Änderungen vom Bundes-Löw getan. Aufgrund dieser Wechselwilligkeit hat er ja auch den Spitznamen „Der Magier“ bekommen und ihm wurde auch (vorschnell, wie wir nun wissen und eigentlich auch immer wussten) ein „goldenes Händchen“ für Aufstellungskorrekturen diagnostiziert, aber das ändert ja mal gar nichts daran, dass diese Idiotentaktik nur zigmal im Vorfeld funktioniert hat und am Schicksalsdonnerstag eben nicht. Natürlich, natürlich, natürlich nicht. Die 2.000 Mal davor war ja auch lediglich gehöriges Glück im Spiel, sind wir doch mal realistisch! Überhaupt ist dieser Mann doch eigentlich untragbar geworden, das traut sich nur noch niemand auszusprechen. BILD-Zeitung, übernehmen Sie!


    Ja, Lukas Podolski kann man selbstverständlich die Restverantwortung für das Debakel in die Schuhe schieben, die nicht mehr in die Latschen vom Juri gepasst hat. Denn das dieser Mann eigentlich absolut talentfrei ist, hat ja nun wirklich jeder Blinde mit Krückstock erkannt. Bis auf den Bundestrainer halt. O. k., hätte er in der 94. Minute den Ausgleich geschossen und dann im Elfmeterschießen den entscheidenden Treffer versenkt, wäre er sicher Spieler der Begegnung, Sportler des Jahrhunderts, Bundespräsidentschaftskandidat und neuer Jesus geworden, aber das hat er nicht, also ist er jetzt offiziell das Arschloch, das total versagt hat und die deutschen Träume platzen ließ. Hugh, Häuptling Stammtischmatschbirne hat gesprochen. Das mit der deutschen Staatsangehörigkeit kann er sich übrigens wahrscheinlich auch abschminken, soll er doch demnächst durch das polnische Spiel stolpern. Und wehe, er schießt dabei dann Tore, das wäre natürlich der Gipfel der Provokation für die deutsche Fußballerseele.


    Und abschließend halte ich nur vollständigkeitshalber fest, dass natürlich im Endeffekt nur der Schiedsrichter schuld war, der den Vergleich mitten in dem Spielzug abgepfiffen hat, der dem deutschen Quasi-Europameister das Unentschieden gebracht hätte. Ach, was sage ich da? Definitiv wäre die abgebrochene Flanke gleich von vier deutsche Elitekicker gleichzeitig verwertet worden und sie hätten noch in der regulären Spielzeit mit 5:2 gewonnen. Verdient, wie vielleicht schon im Textverlauf erwähnt. Das Leben ist einfach ungerecht, gerade im Fußball.
    Was ist lustiger als erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals? Weinende erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals.

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    Für immer Punk? Kinder, wie schnell so eine Ewigkeit vergeht...

    The Walking Dead Edition Regenbogen

    Schon wieder nicht in meiner eigenen Kotze aufgewacht, noch immer einen Beruf, in dem ich frech Geld verdiene, mehrere CD´s im Schrank, die vom fehlenden Schrammelstatus zumindest auffällig sind und haustiertechnisch weder eine Ratte noch einen Silberfisch, sondern lediglich drei Katzen am Start; wem will ich eigentlich noch etwas vormachen? Niemandem, das habe ich gestern endlich eingesehen, deshalb werde ich nun ein Ende mit Schrecken machen, um den Schrecken ohne Ende zu vermeiden, und gebe offen zu: Ich bin definitiv kein Punk mehr, und um die Dramatik auf die Spitze zu treiben, gestehe ich sogar ein, dass ich sehr wahrscheinlich auch niemals einer war.


    Deutlich geworden ist mir dieser Sachverhalt aufgrund meiner Reaktion auf das Comeback von Slime, einem absoluten Favoriten in meinem Musikgemüt. Ich habe mich nämlich total über dieses angekündigte Lebenszeichen gefreut, was anscheinend im Dunstkreis gewisser Leuten direkt ein komplettes No-Go darstellt und entsprechend verpönt ist. Als ich gehört habe, dass diese politisch sehr nach links ausgerichtete Combo die Texte eines von mir sehr geschätzten Anarchisten im typischen Slime-Sound interpretieren wird, habe ich meinen persönlichen Sündenfall vor der selbsternannten Szenenpolizei dann sogar noch dadurch perfektioniert, dass ich diesen Plan für eine sensationelle Idee hielt und entsprechend gespannt auf das Ergebnis war. Inzwischen ist dieses Produkt bei mir zu Hause eingetrudelt, ich sehe es persönlich als die beste Veröffentlichung der Helden an, die sowieso seit Jahr und Tag für den Soundtrack meines Lebens verantwortlich zeichnen, und bin dementsprechend absolut begeistert von diesem Silberling, der wohl nur noch chirurgisch aus meinem CD-Player zu entfernen ist. Wahrscheinlich sind diese absolut unhaltbaren Emotionen auch die Kronzeugen unter den Zeichen, die mich als verachtenswerten Pseudo brandmarken.


    Denn direkt nach der Ankündigung dieses Albums konnte der interessierte Internet-Surfer auf Amazon, Youtube und anderen Plattformen, die sich in irgendeiner Form mit dem Werk beschäftigten, diversen Statements entnehmen, wie tief Slime doch gesunken wäre und wie lächerlich sich diese Gruppe inzwischen machen würde. Wohlgemerkt kamen diese debilen Schmierereien, die in einer intelligenten Version möglicherweise als Kritik durchgehen würden, bereits zu einem Zeitpunkt auf, als noch nicht mal eine einzige Note vom angeblich ach so schlechten Tiefpunkt der slime´schen Karriere ein Ohr außerhalb des Produktionsteams beglücken durfte. Der Grund für den vernichtenden Aufstand der Punkantworten auf Beavis und Butthead lag nämlich allein in der Tatsache begründet, dass die Hamburger Urpunks überhaupt ein Comeback in Erwägung gezogen haben, eine CD herausbringen wollten und unverschämterweise auch noch in Aussicht stellten, damit auf Tour zu gehen.


    Im Glaubensbekenntnis der Einwohner von Dunkelpunkhausen ist so eine Vorgehensweise nämlich streng verboten, da diese sofort den gruseligen Endgegner „Kommerzialisierung“ auf den Plan ruft. Denn mit einer Tour und einem Album kann man Geld verdienen, dieser Vorgang stellt aber seit jeher die Tätigkeit, deren Name im Pogokreisel der denkresistenten Komplettalkoholiker nicht genannt werden darf. Eine Musikgruppe im Punkbereich hat in diesen Anschauungen gefälligst ihr erstes Konzert mit zusammengeschnorrten Dosenpfand auf die Beine zu stellen, diesen Auftritt selbstverständlich mit freiem Eintritt zu absolvieren, um danach vollkommen ruiniert die Weltenbühne direkt und ultimativ wieder zu verlassen. Und wer dabei auch nur das Wort „CD-Veröffentlichung“ in den Mund nimmt, wird direkt aus diesen Kreisen ausgeschlossen, für vogelfrei erklärt und darf bis ans Lebensende höchstens noch Kylie Minogue-Cover zum Besten geben. Um dafür dann übrigens als Popper erst recht nicht ernstgenommen und sogar verdroschen zu werden, das ganze Gebiet ist also nicht nur vom Logikfaktor her schmerzhaft besetzt.


    Es ist sowieso ziemlich ulkig, dass die Möchtegern-Kritiker mit ihren Lautgebungen die eigene Existenz in Frage stellen, denn hätten die Mitglieder von Slime keine Kommerzialisierung in Betracht gezogen, hätten sie niemals in der Öffentlichkeit stattgefunden und wären somit gar nicht erst als Größe zum Niedermeckern auf den Plan getreten. Hätten sie sich darauf beschränkt, auf Hamburger Schützenfesten besoffen von der Bühne zu kippen, um so das Ende ihres Gratisauftritts zu verkünden, dann hätte das kaum jemand bemerkt und Kommerzvorwürfe wären nur aufgekommen, wenn sie frech die 2,50 DM, zur Verfügung gestellt vom gönnenden Teil des Publikums, nach ihrer Performance vom Boden gepickt hätten. An Slime kann man sich heute nur reiben, weil sie eben ihre Musik in einem größeren Rahmen bekannt gemacht haben, und das ist immer ein Vorgang, den nur der Million Dollar Man oder eben ein Mensch mit einem funktionierenden Refinanzierungskonzept auf die Beine stellen kann.


    Ich will aber mit diesem Blog gar nicht das Nervpotential von tatsächlichen Übertreibungen in Sachen kommerzieller Vermarktung des Punkrocks verheimlichen. Wenn zum Beispiel Campino von den Toten Hosen inzwischen sogar in „Waldis Club“ auftaucht (und mich damit übrigens in akuten Erklärungsnotstand bringt, da mir dieser Super-GAU selbstverständlich direkt am nächsten Tag aufs Brot geschmiert werden musste…), seiner Band ein eigenes Singstar-Spiel gewidmet wird, in diesem Bandkosmos exklusive DVD´s in sogenannten Amazon-Fanpaketen veröffentlicht werden, für die der Anhänger sich nochmal einen Schwung alter Live-Alben mit an Land ziehen muss, und trotzdem auf Konzerten via „Wort zum Sonntag“-Text verkündet wird, dass man nach wie vor für immer Punk bleiben will, dann ist das sicherlich an Albernheit und Fremdschämspitze nicht zu überbieten. Trotzdem kann es nicht sein, dass diese Übertreibungen schon bei Gruppen diagnostiziert werden, nur weil die sehr zur Freude ihrer echten Fans nochmal auf Tour gehen, darüber hinaus ihre künstlerische Biografie mit frischen Einträgen erweitern und diese Dinge verständlicherweise nicht für lau anbieten.


    Mir fällt mein Abschied aus den Punkreihen wirklich nicht schwer, denn ich war ihnen sowieso nur musikalisch verbunden, da sie mir in anderen Bereichen schon immer sehr suspekt bis lächerlich vorgekommen sind. Die Szenepolizisten sind da nämlich nur der offensichtlichste Teil des dämlichen Reigens, fast genauso lustig finde ich Typen, die nicht müde werden, ein schwammiges Staatsfeindbild aufzubauen, nur um sich dann von genau diesem ach so bösen Staat finanziell über die Runden bringen zu lassen. Richtig, auch ich bin eher im „Deutschland verrecke“-Modus, allerdings käme ich auch nie auf den Gedanken, von diesem Terrorapparat irgendeine Art von Hilfe anzunehmen. Das käme mir wenn dann nur sehr kurzfristig und als absolute Notlösung in den Sinn, auf meiner Ersatzlederjacke würden niemals Buttons wie „Deutschland muss sterben“ und „Arbeitslos und Spaß dabei“ zu einem widerlichen Zungenkuss ansetzen, denn diese Kombination stellt für mich den Mount Everest im Dumpfbackengebirge. „Komm, wir zeigen dem System die Zähne, ja richtig, ich meine das System, von dem ich mich total abhängig gemacht habe.“ Das sind Überlegungen, die wohl nur nach einer Palette Hansa-Pils als täglich etabliertes Gewohnheitsritual zumindest rudimentären Sinn ergeben.


    In jeder Partydiskussion ist es ebenfalls eine absolute Brüllergarantie, wenn man darauf hinweist, dass eine Szene, die mal als Gesellschaftskritik und Aufstehen gegen starre Normen gegründet wurde und ergo dadurch glänzen konnte, dass sich praktisch jeder zu ihr bekennen durfte, inzwischen ein dickeres Regelwerk vorweisen kann als die universelle Spießergewerkschaft. Selbstredend, dass viele Anhänger der Punkreligion auch inzwischen so lange mit ihrem aufwändigen Styling beschäftigt sind, bis Popper erbost an die Badezimmertür klopfen, da sie zum Richten ihrer Fönfrisur doch mal für ein paar Sekunden den seit Stunden besetzten Spiegel benötigen. Als Sahnehäubchen auf dieser seit Jahren abgelaufenen Torte wird die eingangs erwähnte Gesellschaftskritik auch immer öfters nur noch durch bunte Haarfarben und dem unmotivierten Brüllen von einzeiligen Parolen vorgetragen, die hin und wieder sogar Sinn machen, falls der Schreier wider Erwarten tatsächlich mal nüchtern ist.


    Woher die heutige Punkszene überhaupt ihr Selbstverständnis nimmt, dass noch irgendjemand von außerhalb dort freiwillig mitmachen möchte, ist mir eigentlich ein einziges Rätsel. Tipps zum Haare färben bekommt man bei jedem Friseur, die Realisierung einer Alkoholikerkarriere gilt auch nicht als Aufgabe für Hochbegabte und alle kreativen Repräsentatoren gelten eh pauschal als suspekt, da sie jede Art von ernsthafter und somit wahrnehmbarer Existenz natürlich damit begründen, in dem sie diese zu finanzieren versuchen. Immerhin steckt noch viel Schmunzelpotential in dieser Lebensart, das ist heutzutage ja auch nicht zu verachten. Ansonsten gilt aber, dass Punk möglicherweise noch nicht komplett tot ist, allerdings in manchen Auslegungen definitiv keine Hirnaktivität mehr verzeichnen kann und deshalb dort sicherlich über eine Sterbehilfe zumindest nachgedacht werden sollte.


    Mir ist das egal, denn ich stecke schon seit jeher in meiner Grote-Schublade, die allein durch ihren strikt ausgelebten Individualismus ironischerweise mehr Referenzen zum Punkglauben aufweisen kann als die gegenwärtige Gruselmutation des ursprünglichen Namengebers. Und in dieser Schublade stehen gerade alle Regler auf 10, um das im CD-Player rotierende Jahrhundertwerk gebührend abzufeiern. Dabei ist es mir glücklicherweise völlig egal, ob sich dieses Ergebnis nun offiziell Punk nennen darf oder nicht. Es ist 100 % Slime, diese Tatsache geht mit der Programmierfunktion „Dauerschleife“ eine Verbindung ein, die in meinem Kosmos keinerlei Wünsche mehr offen lässt.


    Wer kümmert sich schon ernsthaft darum, dass der Schubladenetablierungsversuch einer Bewegung, die darauf basiert, keine pauschalen Schubladen zu etablieren, so gut wie gescheitert ist? Das ist weder überraschend noch traurig, und im Finale ärgert das nur ein paar Szenepäpste, die dadurch auf ihren sowieso unerwünschten Echtheitszertifikaten sitzen bleiben. Darüber sollte man sich aber definitiv eher freuen.
    Was ist lustiger als erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals? Weinende erwachsene Männer mit schwarz-rot-goldenen Spartanerhelm, schwarz-rot-gold geschminkten Gesicht und schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden um den Hals.

    https://www.youtube.com/watch?v=9iqYyn9SmKA

    https://www.youtube.com/watch?v=DClAsYT4sAY

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    Auch wenn ich Gefahr laufe ausgebut zu werden, wer zum Teufel ist das "Slime" ??
    ♥♥♥Toukiden 2♥♥♥
    1135 + 26 Spiele + 48gb OSTs = NERD!
    R.I.P. Patrick Macnee [25.06.2015]
    Nexi -> meine Kreation
    #ThankYouTaker

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